Wie und warum soll man denn auf Palmöl verzichten?

#Umweltliebe ist schon seit guten 6 Jahren mein Motto. Also eigentlich schon seit meiner Kindheit, aber so richtig realisiert, dass ich auch als Einzelperson Verantwortung trage und jedes Verhalten Konsequenzen hat, habe ich es tatsächlich erst da. Seitdem versuche ich schrittweise Alternativen zu finden und immer mehr zu tun.

Eine Sache vor der ich mich sehr lange gedrückt habe ist das Palmöl. Weil man einfach schon weiß, dass es in so vielen Sachen drinsteckt – auch in extrem vielen veganen Ersatzprodukten. Und teilweise hatte ich dann eine gewisse Trotzhaltung „dass ich da jetzt nicht auch noch drauf achten muss“ wenn ich doch schon vegan lebe. Aber mittlerweile glaube ich nicht, dass das etwas ist, worauf man sich ausruhen sollte.

Ich glaube ich habe die Phase, in der ich viele vegane Fertigprodukte wie Süßigkeiten und co gegessen habe, definitiv gebraucht um meinen Umstieg zu festigen. Jetzt nach über fünf Jahren habe ich aber das Gefühl, dass es Zeit für weitere Schritte wird!

Das Gefühl haben mit Sicherheit auch die anderen lieben Menschen, die mit mir zusammen dieses Blogprojekt hier machen.
Wir alle haben das Buch Umweltliebe von Jennifer Sieglar gelesen, welches uns der Piper Verlag netterweise zugeschickt hat. Und passend dazu haben wir den Mai als unseren #Umweltliebe Monat auserkoren – um uns und andere noch mehr für das Thema zu sensibilisieren! Vielen Dank an Crow and Kraken, dass du das alles organisiert hast! Ich verlinke am Ende des Beitrags alle Mitwirkenden und andere hilfreiche Beiträge zu dem Thema.

Das Buch ist in zwölf Kapitel unterteilt – die Autorin hat sich selbst jeden Monat eine Challenge gestellt und somit ihr leben über ein Jahr hinweg immer umweltfreundlicher gestaltet. Über Plastik, Fortbewegung, Essen bis hin zu Palmöl ist alles vertreten und ich werde mich jetzt dem Kapitel über letzteres widmen.

Jennifer Sieglar bringt das Hauptproblem des Palmöls schon direkt auf den Punkt – Es ist einfach überall enthalten. Laut Regenwald.org in jedem zweiten Supermarktprodukt! Und noch dazu ist es besonders im Drogeriebereich unter Namen wie Elaeis Guineensis oder Natriumlaurylsulfat getarnt. Im Lebensmittelbereich muss es als Palmfett oder ähnliches gekennzeichnet sein. Und wenn man drauf achtet merkt man direkt – Das Süßigkeitenregal fällt fast komplett raus. Aber auch Pizza und Müsli kommen nicht ohne aus, genauso wie Wurst. Wenn man hier Palmöl einsparen will hilft nur, so wenig Fertigprodukte wie möglich zu kaufen. Oder genau zu schauen, gerade im Biobereich gibt es immer wieder palmölfreie Produkte. Alternativ besteht immer die Möglichkeit, bestimmte Sachen selbst zu machen (Schokocreme, Knuspermüsli, Pizza etc) allerdings seien wir mal ehrlich – oftmals haben wir keine Zeit oder sind schlichtweg auch zu gemütlich. Immerhin haben wir uns Jahre bis Jahrzehnte an diese Convenience Produkte gewöhnt.

Im Kosmetikbereich kann ich dir vor allem die App „Code Check“ empfehlen – die hat mittlerweile eine gigantische Datenbank und du kannst dir direkt einen Alarm stellen, wenn du ein Produkt mit Palmöl scannst. So kannst du auch ohne Chemiestudium checken, ob du gerade eine gute Alternative in der Hand hast oder nicht. Du bekommst dann nämlich auch noch angezeigt, ob generell bedenkliche Inhaltsstoffe enthalten sind. Außerdem kannst du direkt sehen, ob tierische Bestandteile enthalten sind.

Aber das ist nicht mal alles. Ich habe oben berichtet dass quasi die Hälfte des Supermarktes irgendwo Palmöl enthält. Und trotzdem machen Lebens- und Futtermittel, Kosmetik und andere Haushaltsmittel in Europa nur ca 39% des Ölverbrauchs aus – der Großteil fließt nämlich in die Energiegewinnung. Allem voran in Biosprit aber auch in Strom. In Deutschland fließen „nur“ 44% des Verbrauchs in Energieerzeugung, was trotzdem eine so unendlich dumme Sache ist. Biosprit ist durch den Anbau des Palmöls dreimal so klimaschädlich wie herkömmlicher Kraftstoff und damit überhaupt keine Alternative! Selbes gilt für den Strom.

Was ist an Palmöl überhaupt so schlecht? Eigentlich ist Palmöl ne super Sache. Es hat Eigenschaften, die fast kein anderes Pflanzenöl so gut hinbekommt und vor allem ist die Palmölpflanze unfassbar ertragreich und relativ robust. Das Problem ist vor allem die Menge, die mittlerweile von der industrie benötigt wird – weil das Öl so vielseitig und dazu noch günstig ist, wird es überall eingeschleust. Diesen Bedarf kann man nur noch mit riesigen Monokulturen decken – und klimabedingt geht das für die Palmölpflanze nur in Gebieten, die von Regenwald besiedelt sind. Das heißt dieser Wald wird gerodet und abgeholzt um Platz für Monokulturen zu machen. Diese werden mittlerweile schon grüne Wüste genannt – denn dort leben keine Tiere mehr, das komplette Biotop des Regenwaldes der vorher da stand ist verschwunden. Durch die Rodung entstehen unendliche Mengen CO2, was dazu führt, dass eine relativ kleine Landfläche wie Indonesien den drittgrößten CO2 Ausstoß der Welt hat. Ganz zu schweigen von dem Artensterben was dadurch vorangetrieben wird. Auch hierzu verlinke ich euch unten noch ein paar Seiten, wenn ihr mehr wissen wollt.

Und wofür das Ganze? Damit wir Nutellabrot zum Frühstück und eine Tiefkühlpizza zu Abend essen können?  Really? Ich weiß nicht wer von euch jetzt wirklich sagen würde, dass es sich dafür wirklich lohnt. Vor allem weil man ja nicht mal komplett darauf verzichten müsste, Schokolade auf seinem Brot zu essen. Man müsste nur eine andere Marke suchen, die ohne sowas auskommt. Meistens sind das dann Marken, die vielleicht auch noch auf fair gehandelten Kakao achten und dann hat man gleich zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen.

Also wie sieht das denn jetzt im Alltag aus? Vorne weg, es wird sich immer noch gestritten ob 100 prozentiger Palmöl Boykott wirklich so sinnvoll ist. Denn wenn man weiterhin die gleichen Produkte kaufen will muss das Palmöl darin durch andere Pflanzenfette ersetzt werden – keine andere Pflanze ist dahingehend aber so ertragreich weswegen im Endeffekt noch mehr Land an anderer Stelle benötigt werden müsste. Einhergehend auch mehr Pestizide.

Wie ich oben schon gesagt habe landet derzeit das meiste Palmöl noch in der Energieerzeugung – das muss aufhören. Ohne die Mengen die für so einen Rotz gebraucht werden könnte man theoretisch weiter seine Palmölkekse essen, wenn dann auch noch auf nachhaltigen Anbau geachtet wird. Denn bei Bio zertifizierten Herstellern ist es schon seit jahren so, dass für dieses Öl kein weiterer Wald mehr gerodet werden darf, lediglich die Flächen genutzt, die da sind. Das macht nachhaltiges Palmöl somit nicht besser oder schlechter als jede andere Monokultur (worüber man aber streiten kann) und die Arbeitsbedingungen für die Bauern sind durch Bio Siegel übrigens auch nicht wirklich geschützt. Das Buch „Aus kontrolliertem Raubbau“ von Kathrin Hartmann gibt da einen schönen Einblick, weswegen Palmöl einfach komplett zu streichen wahrscheinlich immer noch die beste Lösung ist.
Es wird so schnell nicht passieren, dass der Energiegewinnungssektor wegbricht, weswegen man meiner Meinung nach so viel wie möglich mit der eigenen Verantwortung tun sollte. Bedeutet für mich – Palmölfreie Produkte finden.

Biosprit tanke ich eh nicht da ich Rad fahre und mein Strom kommt von einem Öko-Anbieter. Aber hier direkt die bitte – checkt das mal ab, ob es da Alternativen für euch gibt. Ich hab es erst mal so gemacht, dass ich wirklich ALLE Produkte im Haushalt zusammen gesucht habe, die Palmöl enthalten. Um einen Überblick zu finden, wo ich Alternativen brauche.

Und ich war tatsächlich überrascht wie wenig es sowieso schon war. Wir kaufen kaum Fertigprodukte, was unsere Küche wirklich sehr regenwaldfreundlich aussehen lässt. Lediglich die Margarine und der Schokoaufstrich waren damit. Also easy peasy da Alternativen zu finden! Im Bad sah das schon ganz anders aus. Vor längerem wurde Duschgel und Shampoo schon durch feste Seife ausgetauscht, meist auch von einer Naturkosmetikfirma. Zu meinem Erstaunen ALLE mit Palmöl drin! Ähnlich sah es bei meiner Gesichtspflege aus und an meine Kosmetik hab‘ ich mich ehrlich gesagt noch gar nicht herangetraut. Da alle Seifenstücke sowieso schon extrem klein waren war es also Zeit für einen Ausflug in die Drogerie.

Dort war ich erst mal überrascht wie groß das Angebot an „nackten“ Produkten (also ohne Plastikverpackung) mittlerweile war. Das heißt die Chancen standen schon mal besser, dann auch noch welche ohne Palmöl zu finden. Naaaaaja, bei den Seifen gab es genau zwei zur Auswahl, beim festen Shampoo nur eins, genauso bei der Spülung. Hmpf. Jetzt bleibt nur zu hoffen, dass die alle gut sind, sonst sind die Alternativen aus der Drogerie schon mal gescheitert. Habe mich für den Notfall schon mal bei Lush und der Seifenmanufaktur Sauberkunst umgeschaut – tatsächlich sind fast alle Körperseifen von Lush palmölfrei, lediglich deren Shampoos kommen nicht ohne aus. Genauso sieht es bei Sauberkunst aus, was mich teilweise schon ein wenig wütend gemacht hat, da sie mit komplett palmölfrei werben!

Trotz allem gibt es Alternativen. Man muss nur teilweise ein bisschen länger danach suchen. Mein Vorhaben ist es jetzt, die Ausnahmen mit Palmöl auf ein Minimum zu reduzieren, im Bad am liebsten komplett drauf zu verzichten. Da bin ich aber weiterhin noch auf der Suche.

Wie sieht es bei euch aus? Denkt ihr Palmöl aus nachhaltigem Anbau ist eine Alternative? Ist kompletter Boykott nötig und sinnvoll?

Weitere Beiträge zum Thema #Umweltliebe findet ihr über den Mai verteilt bei
Crow and Kraken (Wohnen und Weihnachten)
Bücherbrise (Fortbewegung und Holz/Papier)
Teekesselchen (Plastik und Kleidung)
Ink of Books (Mikroplastik und Minimalismus)
Kitsune Books (Essen und Garten/Balkon)


Bei mir kommt am 29. noch ein Beitrag zum Thema Reisen!

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