Minimalismus im Bücherregal

Collect moments not things. Ein Satz, den ich mir schon seit mittlerweile über zwei Jahren zu Herzen nehme. Mein Kleiderschrank hat sich in der Zeit von einem Ankleidezimmer zu einer einzigen Kleiderstange verringert. Selbst meine Kunstutensilien haben sich mehr oder weniger auf das Wichtigste beschränkt und ich kaufe nicht mehr wahllos ein. Lediglich mein Bücherregal ist stetig gewachsen und jetzt zum Schluss hat sich darin einfach nur noch alles gestapelt und musste teilweise schon außerhalb vom Regal einen Platz finden. 

Warum fällt es mir so schwer auch da aufzuhören, einfach wahllos zu sammeln? Auch ich habe immer bei Aktionen zugeschlagen. ReBuy war mein bester Freund, genau wie „2für1“ Aktionen in Buchhandlungen. Bücher kann man ja schließlich nicht genug haben oder? Irgendwann wird man sie schon noch lesen. 

Allerdings bin ich mittlerweile schon zwei mal umgezogen und habe viele Bücher ungelesen von dem einen Platz zu dem anderen gewandert. Sie sind immer noch nicht gelesen, was sehr sicher daran liegt, dass ich sie beim kaufen zwar interessant fand, aber nicht interessant genug um es als nächstes zu lesen. Es gab von da an immer was Besseres, was Vorrang hatte. 

Dieses sinnlose Sammeln stört mich einfach. Ich schaue gerne Videos, in denen Leute ihre Regale vorstellen, da findet man immer tolle Leseempfehlungen. Allerdings sieht man aber auch, dass die meisten Menschen und besonders Buchblogger (nicht alle) unglaublich viele ungelesene Bücher haben – und auch stetig neue dazu kommen. 

Das kann für viele befreiend und toll sein, in einer kleinen Bibliothek zu wohnen, aber ich persönlich möchte mich nur mit Dingen umgeben, die mich wirklich glücklich machen. Und tatsächlich bereiten mir ungelesene Bücher (bei denen ich im tiefsten inneren genau weiß, dass ich sie eh nie lesen werde) eher ein ungutes Gefühl. Irgendwie… Druck. Und ein schlechtes Gewissen, wenn man dann ein neues Buch mitbringt, obwohl da noch so viele aufs Gelesen werden warten.  

Deswegen habe ich mich daran gemacht und erstmal das gemacht, was jeder tut, sobald er Minimalismus für sich entdeckt hat – rigoros aussortieren. Tatsächlich sind bisher genau 50% ausgemistet und eins von zwei Regalen ist nun komplett leer und kann weg. Teilweise wurden die Bücher verkauft, der andere Teil wird nach und nach in den öffentlichen Bücherschrank getan. 

Der Plan ist es, nur die Bücher zu behalten, die mich wirklich glücklich machen (und die ich deswegen wahrscheinlich nochmal lesen werde) oder die mich nachhaltig geprägt haben. Die Bücher, die mir sofort einfallen, wenn ich nur eine kleine Tasche hätte und jetzt sofort auf eine einsame Insel abhauen müsste. Wenn ich ganz ehrlich bin, stehen da auch jetzt noch einige, die nicht dazu gehören. Von den fünf Regalen ist eines gefüllt mit Kunstbüchern (auch für die Uni), eines mit noch ungelesenen und drei mit Büchern, von denen ich mich irgendwie nicht trennen kann. Ein paar davon sind wirklich die beschriebenen Herzensbücher. Bei den anderen weiß ich noch nicht was es ist – ich werde einfach mal abwarten und nach und nach schauen, was sich ergibt.

Jedenfalls ist der Plan nun erstmal alle ungelesenen Bücher zu lesen und kurz danach zu entscheiden, ob das jeweilige Buch bleiben kann oder nicht. Sodass ich bald auf einen SUB (Stapel ungelesener Bücher ) von 0 komme und ab dann werde ich immer nur ein Buch nachkaufen – das, was ich auch wirklich in dem Moment lesen will. 

Übrigens möchte ich auch auf eBooks umsteigen, und nur noch die besagten Herzensbücher in Papierform um mich haben und wirklich ständig sehen. Glaube das hilft, diesen unnötigen Sammeltrieb loszuwerden. 

Ich bilde mir auch ein, dass das auf Dauer besser für die Umwelt wäre, da ich kein extra eReader habe, sondern auf dem Gerät lese, was ich auch fürs Schreiben, Arbeiten und Serienschauen verwende. Papier sparen und nicht direkt Ressourcen für ein Gerät verschwenden. 

Minimalismus heißt nicht, gar nichts mehr zu besitzen. Sondern lediglich, sich auf die Dinge zu besinnen, die man wirklich braucht und die einen glücklich machen. Der Gedanke hat sich bei mir mittlerweile so manifestiert, dass ich mit diesen ganzen überfüllten Bücherregalen nichts mehr anfangen kann und auch dem wahllosen Bücherkaufrausch extrem kritisch gegenüberstehe. Ich weiß, dass das bei vielen anders ist und deswegen möchte ich nochmal deutlich sagen, dass das keine Anfeindung oder so sein soll. Wenn dich 600 Bücher glücklicher machen als 20, dann ist das perfekt so – bleib dabei. Wenn du aber genau wie ich, eigentlich minimalistisch unterwegs bist, aber deine Probleme mit den Büchern hast – dann hoffe ich, dass du Inspiration aus dem Beitrag ziehen konntest  🙂 

Ein Kommentar zu „Minimalismus im Bücherregal“

  1. Ich höre oft, dass Leute mit dem weggeben von Büchern Probleme haben, gehöre selbst aber zum Glück nicht dazu. Zumindest wenn sie gelesen sind, ungelesene kann ich einfach nicht abgeben, wenn ich nicht wenigstens kurz reingelesen habe. Mich stört diese Masse an Büchern aber auch, darum widme ich mich ihnen diese Ferien mal und sortiere wirklich aus. Bei gelesenen tu ich das meistens schon direkt nach dem Lesen, sodass sich da nicht viel dauerhaft ansammelt.
    Dem, was du zu ebooks sagst, würde ich aber nicht so zustimmen. Zumindest nicht als jemand mit über 100 ungelesenen, weil „das war gratis/billig“ und gerade weil man sie nicht sehen kann, verliert man da meiner Erfahrung nach noch schneller den Überblick. Und lesen auf Handy/Laptop finde ich persönlich auch sehr unangenehm, da brauche ich schon meinen Reader. Aber hey, ich wünsche dir viel Erfolg damit, vielleicht funktioniert das für dich ja.
    Guter Beitrag!

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