Fitness- und Ernährungsbücher – Lohnt sich das?

Wenn ich mich für ein Thema wirklich interessiere habe ich immer das Bedürfnis, so viel Wissen wie möglich dazu anzuhäufen. Das Internet hilft einem da doch wirklich sehr, doch ich bin ein bisschen altmodisch und ein kleiner Bücherwurm.

Seit geraumer Zeit interessiere ich mich sehr für Ernährung und Fitness. Was hat unsere Nahrung eigentlich für Auswirkungen in unserem Körper? Was bedeutet “gesund” überhaupt? Wie trainiere ich am besten, um fit für den Alltag zu sein und trotz viel Schreibtischarbeit nicht krank zu werden?

Wie du dir denken kannst habe ich mir dazu einige Bücher, Magazine und sonstige Medien zugelegt und werde hier nun ein paar davon vorstellen.

Beginnen wir doch mit dem Buch, mit dem bei mir vieles angefangen hat: „Fettlogik überwinden“ von Nadja Hermann. Dieses Buch will mit den gängigen Mythen aufräumen wie “Ich habe einfach einen extrem langsamen Stoffwechsel“ oder dem Klassiker „Wenn man zu wenig isst, fährt der Stoffwechsel runter“. Sie erklärt anschaulich und logisch, welche Mythen stimmen und welche einfach Ammenmärchen sind und auf veralteten Ansichten beruhen. Die Kapitelüberschriften sind Aussagen, die man oft hört, wie zum Beispiel „Mein Stoffwechsel ist kaputt“, „So ungesund ist Übergewicht gar nicht“ oder auch „Gesundes Essen ist einfach zu teuer“. Sie geht dann darauf ein, als würde sie mit einer zweiten Person, die eben diese ganzen Mythen auftischt, sprechen und sie eines Besseren belehren. Ihre lustigen Comics zwischendurch setzen dem Ganzen noch das i-Tüpfelchen! Ja das Buch ist eigentlich für Leute gedacht, die abnehmen wollen (was nicht mein Ziel ist). Trotzdem hilft es einem ungemein weiter, wenn man Schritt für Schritt besser versteht, wie sein Körper eigentlich funktioniert und das kann man nicht, wenn man an irgendwelchen Mythen festhält, die man vielleicht vor 5 Jahren mal in der Brigitte gelesen oder von der Nachbarin erzählt bekommen hat.

Weiter geht es mit „Eat Train Love“ von Kristin Woltmann, die sich in ihrem Buch auf Clean Eating und Yoga bezieht. Ich muss gestehen, ich habe mir das Buch vor allem wegen dem Ernährungsteil rausgesucht, da ich Clean Eating in den Grundzügen absolut super finde (allerdings wirst du weiter unten noch eine absolute Rant-Rezension zu dem Thema lesen) aber mit Yoga kann ich leider nicht so wirklich viel anfangen. EAT TRAIN LOVE ist ein sehr erfolgreicher Gesund-Leben-Blog und die Autorin steht für das Konzept des Clean Eating als langfristiger Lebenstil und eben nicht als kurzfristige Diät, was ich sehr schätze. Von Diäten halte ich gar nichts und da kann mir auch kein Buch eine andere Meinung machen. Sehr schön fande ich im Buch, dass sie auf die Schwierigkeiten dieser Ernährungsweise eingeht und auch den Zeit- und Kostenfaktor miteinberechnet. Es kann nun einmal nicht jeder vom Bloggen leben und viele arbeiten von morgens bis abends, aber selbst für diese Fälle gibt es Mittel und Wege, die wenigstens zum Teil im Buch angesprochen werden.
Die Gestaltung finde ich sehr, sehr schön! Man sieht, dass sich wirklich viel Mühe gegeben wurde und ein besonderes Augenmerk auf die Details gelegt wurde. Trotzdem wurde nicht am Inhalt gespart und deswegen ist dieses Buch eine große Empfehlung für alle, die sich für diese Themen interessieren und eventuell auch mit Yoga mehr anfangen können als ich!
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Eat Train Love | Kristin Woltmann | Irisiana | 16.05.16 | 176 Seiten | 19,99€

Bei „Strong is sexy” von Mintra Mattison merkt man schon am Untertitel, dass es sich hier um eine andere Art Buch handelt. „In 60 Tagen zur Form deines Lebens” – Hier geht es nicht um einen Lebenstil sondern um ein Programm, dass man durchzieht um zu einem gewissen Ziel zu kommen. Ich habe weiter oben ja schon geschrieben, dass ich von so kurzfristigen Sachen im Allgemeinen nicht so viel halte, denn es stellt sich fast immer die Frage, was dann danach kommt. Ist ja super wenn ich in 60 Tagen die Form meines Lebens erhalte, aber wie soll ich sie danach halten? Mal davon abgesehen finde ich solche Formulierungen immer schwierig. Jeder sollte sich seinen eigenen Wohlfühlbereich abstecken und darauf hinarbeiten. Mit diesem Programm arbeitet man auf ein ganz bestimmtes Ziel (Muskulös, sehr definiert) hin und das muss man im Voraus wissen! Allerdings ist es meiner Meinung nach völliger Blödsinn, dass man da in 60 Tagen hinkommen soll. Das klappt höchstens, wenn man schon einen guten Ausgangspunkt hat.
Das Buch setzt definitiv den Fokus aufs Training und man bekommt ausführlich erklärt, wie die Homeworkout-Einheiten aussehen sollen – Man braucht allerdings Equipment wie zum Beispiel kleine bis mittlere Gewichte. Auch bin ich mir nicht sicher, ob absolute Anfänger alle Übungen immer richtig durchführen können. Ich selbst habe das Programm noch nicht absolviert, da ich ins Fitnessstudio gehe und einen eigenen Trainingsplan verfolge. Trotzdem werde ich in den kommenden Wochen mal ein paar Einheiten aus dem Buch testen, wenn ich es mal nicht ins Gym schaffe.
Der Ernährungsteil kommt mir leider viel zu kurz und die Rezepte bringen mir als Veganerin leider auch nicht so viel, selbst für Vegetarier müssen viele Gerichte noch abgeändert werden. Auch sowas sollte man im Vorfeld wissen. Trotzdem ist es ein schön gestaltetes Buch, dass für manche Menschen sicher einen Mehrwert bietet. Für mich leider nicht.
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Strong is sexy | Mintra Mattison | südwest | 21.12.15 | 208 Seiten | 19,99€

In eine ähnliche Richtung geht „Best Body Plan“ von Anna Lewandowski. „Live healthy – Be happy“ ist hier das Motto und auch sie propagiert einen bestimmten, langfristigen Lebenstil. Sie geht sehr ausführlich auf Ernährung ein und bespricht die Themen auch sehr wissenschaftlich (was ich absolut klasse finde!). Sie geht viel tiefer auf die Aspekte WARUM etwas wichtig und gesund für uns ist und das konnte mich sehr überzeugen. Der Ernährungsteil nimmt auch den größten Teil des Buches ein und man findet kein komplettes Trainingsprogramm, sondern lediglich die Grundsätze und ihre liebsten Übungen, auf denen man sich dann ein eigenes Training zurecht schneidern kann.
Mir hat das Buch wirklich sehr gut gefallen und ich habe auch noch einige Sachen daraus mitnehmen können. Mich stört allerdings, dass für das Buch immer wieder mit „Sie ist die Frau vom Profifußballer Robert Lewandowski“ geworben wurde, weil diese Frau einfach SO VIEL wichtigere und beeindruckendere Dinge geleistet hat, als einen berühmten Menschen zu heiraten. Davon abgesehen fand ich das Buch wirklich klasse und kann es jedem empfehlen, der wirklich gesünder leben will.
Link zum Verlag: Klicke hier

Best Body Plan | Anna Lewandowski | Südwest | 16.12.16 | 272 Seiten | 19,99€

Soooo und jetzt kommen wir zu zwei Büchern, die mich leider nicht überzeugen konnten.

“Strong & Beautiful” von Pamela Reif war Anfang 2017 eine große Enttäuschung für mich. Sie ist Sport- und Ehrgeizmäßig immer noch ein großes Vorbild für mich, allerdings komme ich mit dem Buch auf keinen grünen Zweig. Es bestätigt leider das Klischee, dass man heute von Instagram-Influenzern so hat: Schön anzusehen aber nichts dahinter. Wenn du mehr dazu wissen willst verlinke ich dir mal hier eine ausführliche Rezension von mir dazu.

Kommen wir zum Schluss zu dem Buch, dass ich offiziell zu einem meiner Hass-Bücher erklären kann 😀 „Die Eat Clean-Diät“ von Tosca Reno. Der Titel ist eine absolut blöde Übersetzung aus dem Englischen, da auch hier in dem Buch keine klassische Diät im herkömmlichen Sinne angesprochen wird, sondern ein Lebenstil. Es werden erst einmal die Grundsätze des Clean Eating erläutert, dann VERSUCHT (!) sie zu erklären, wie der Stoffwechsel funktioniert und was folglich wichtig für den Körper ist und zum Schluss folgen etliche Rezepte, so wie man es auch aus anderen Fitness und Ernährungsbüchern kennt. Soweit so gut.
Beim Lesen ist mir schon direkt die leicht esoterisch anmutende Sprache und Wortwahl aufgefallen und leider hat sich das im Laufe des Buches auch bestätigt – Hier werden keine Fakten verbreitet sondern schlicht eigene Erfahrungen/Vermutungen/Halbwissen. Ich meine WIE ZUM TEUFEL SOLL SO EIN BUCH OHNE QUELLEN AUSKOMMEN? Hat sie schlichtweg keine Quellen herangezogen? So kommt es mir zumindest vor. Denn es sind einfach etliche Fehler drin (teilweise könnten es auch Übersetzungsfehler sein, aber die meisten deuten auf Unwissenheit hin).
So zählt sie beispielsweise Lachs und Nussmus (!) zu den fettfreien Proteinquellen. Sie sagt Wasseratome bestünden aus zwei Sauerstoffatomen und einem Wasserstoffatom (seit wann ist Wasserstoff zweiwertig?) und beschreibt Cellulite als Cellulitis (was eine chronische Bindegewebeentzündung meint, was man gut an der Endung -itis merkt). Vorbei wars bei mir dann, als sie sagte, die Fructose in Säften und genrell Obst sei eine Belastung für die Bauchspeicheldrüse und die Nieren. Wie zur Hölle kommt sie auf so eine Aussage?! Fructose wird weitestgehend Insulinunabhängig in der Leber verstoffwechselt, deswegen weiß ich nicht, was die Bauchspeicheldrüse damit zu tun haben sollte. Und seit wann die Nieren jetzt Zucker abbauen sollen ist mir auch nicht klar. Man kann ja nicht mal nachschauen, weil sie wie gesagt keine einzige Quelle angibt.
Was mich auch extrem getriggert hat war das Kapitel mit der Überschrift „Clean Eating ist Green Eating“, wo sie auf Umweltschutz eingeht. Da horche ich natürlich auf und freue mich in den Grundzügen sehr darüber, dass sie das Thema so anspricht. Ich stimme ihren Aussagen darin auch fast vollständig zu, allerdings verstehe ich einfach nicht, wieso sie sowas schreibt, wenn sie sich selbst einfach nicht daran hält. Sie sagt selbst, dass man so wenig Tierprodukte wie möglich konsumieren sollte – ein paar Seiten vorher beschreibt sie allerdings ihre alltägliche Ernährung, wo in drei von 5 Mahlzeiten Fleisch/Fisch/Geflügel vorkommt und in den anderen beiden Eier und Milch. Ahja, so viel zu „so wenig wie möglich“.
Ebenso geht sie in einem anderen Kapitel darauf ein wie ungesund Salz doch sei, allerdings findet sich hinten ein Rezept mit „Hühnchen auf Salzbett“ wofür man einfach ein Kilo (!) Salz benötigt. Ok, ich denke du hast jetzt verstanden, worauf ich hinaus will.
Mit diesem Buch konnte ich einfach nichts anfangen und ich ärgere mich, dass so viele Menschen ihre Aussagen einfach hinnehmen (müssen), weil sie es einfach nicht besser wissen und sich mit dem Buch weiterbilden wollten. Die ganzen guten Rezensionen kann ich nicht nachvollziehen und kann das Buch leider nicht weiterempfehlen.

Die Eat Clean Diät | Tosca Reno | Südwest | 21.12.15 | 384 Seiten | 19,99€

Was lässt sich jetzt abschließend sagen? Da draußen existieren tausende Bücher zu diesen Themen und alle sind etwas unterschiedlich aufgebaut. Grob unterscheiden sollte man definitiv zwischen den Büchern, die kurzfristige Ziele oder eben langfristige Lebensstile beschreiben. Man muss sich bewusst sein, was man denn eigentlich erreichen oder lernen will und sollte sich dann auf die Suche nach dem passenden Buch machen. Ein guter Ansatz ist, sich die Autoren genauer anzuschauen. Wer lebt so, wie ich es auch gerne tun würde? Welche Umstände (273979 Kinder, berufstätig, etc) kommen meinen am nächsten? Wie möchte ich aussehen? Verfolge ich eine gewisse Ernährungssphilosophie und kann deswegen nicht mit allen Rezepten etwas anfangen? Wenn die Fragen geklärt sind findet sich in dieser gigantischen Auswahl mit Sicherheit das passende Buch. Ich habe mir jetzt einfach querbeet Bücher zu dem Thema durchgelesen, auch wenn ich teilweise ganz andere (sportliche) Ziele verfolge, da ich einfach das obenbeschriebene umfassende Wissen erreichen möchte und mich daher nicht auf einen einzigen Weg konzentrieren mag. Was bei Sachbüchern (kann man die hier eigentlich als solche bezeichnen?) immer wichtig ist und bei der Entscheidungsfindung wichtig ist – Checkt die Quellen 😉

2 Kommentare zu „Fitness- und Ernährungsbücher – Lohnt sich das?“

  1. Liebe Celine, danke für den tollen Artikel und die Vorstellung der Bücher. Du sprichst mir aus dem Herzen mit dem “ Tosca Reno Buch“ ich habe es vor über einem Jahr gelesen und fand es auch schlimm. Das Buch von Anna Lewandowska hätte ich jetzt aufgrund von Cover und meinen Vorurteilen wahrscheinlich nicht beachtet, danke hört sich gut an und werde einen Blick reinwerfen. Finde es toll, dass Du immer wieder etwas zum Thema Ernährung schreibst.
    Liebe Grüsse
    Isabel

    1. Hey!
      Schade, dass das Buch so eine Enttäuschung war. Hab mir echt ein paar Tipps erhofft aber kann die vermeintlich „guten“ Argumente darin nicht ernst nehmen, wenn links und rechts davon nur Müll steht. Also geht die Suche weiter 😀

      Das Buch solltest du dir echt mal genauer anschauen!

      Danke für deinen Kommentar :3 Und liebste Grüße zurück!

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