Meine Hassliebe zu Horrorfilmen

Nervenkitzel ohne sich wirklich in Gefahr zu bringen – ist das der Reiz hinter Horrorfilmen? Wer möchte Aliens, Zombies, Serienmörder und Dämonen schon im echten Leben treffen? Und trotzdem sind genau diese Wesen seit Jahrzehnten die kennzeichnenden Figuren in mehreren Genres von Film und Büchern.

Angst ist eigentlich ein unangenehmes Gefühl, trotzdem klingeln die Kinokassen bei der neuen Es Verfilmung von 2017. Wieso? Die Psychologie hat dafür eine Begründung – nämlich die Angstlust. Eigentlich erklärt sich der Begriff von selbst, es ist eine Mischung aus Furcht und Wohligkeit, ausgelöst durch die Rückkehr zur Sicherheit. Nach dem Film realisiert man wieder, dass es nicht real war und man sich in Sicherheit befindet. Die komplette vorherige Angstreaktion des Körpers verwandelt sich in ein Glücksgefühl. Eines, das süchtig machen kann!
Genau nach diesem Glücksgefühl strebe ich wie tausend andere auch und gute Horrorfilme (auch Thriller etc) lösen genau das aus. Aber hier ist auch der springende Punkt – GUTE Horrorfilme.

Die Realität sieht leider so aus, dass die Mehrheit der Filme in diesem Genre nur noch trashig sind. Spannung wird nur noch durch Musik erzeugt, sodass man Jumpscares erwartet. Denn genau das ist das einzige Mittel, das in den meisten Horrorfilmen verwendet wird. Billige Jumpscares! Dummer Kinderschreck, der eigentlich nur funktioniert, weil man urplötzlich mit 2897837387 Dezibel lauten verzerrten Geigengeräuschen beschallt wird. Denn wenn man ehrlich ist weiß man ganz genau, wann ein Jumpscare kommt. Erschreckt wird man dann vom Sound. Und um alles abzurunden gibt es in den Filmen dann noch schön viel Blut, abschreckende Wesen und möglichst viele Gedärme.

Liegt es an mir und ich stumpfe ab? Oder gibt sich die Horrorfilmbranche einfach keine Mühe? Denn wenn wir ehrlich sind, sind die besten Filme die, die mit psychologischem Horror funktionieren. Von mir aus dann noch zusätzlich ein oder zwei gut gemachte Jumpscares – aber halt nicht ausschließlich!

Ich erwarte von Horrorfilmen, dass sie Spannung durch Handlung und Atmosphäre erschaffen, nicht durch bloßes Erschrecken. So wie es auch in Büchern funktioniert, da funktionieren billige Jumpscares nicht! Die Spannung wird dort auf ganz andere Weise aufgebaut und gehalten. Die Handlung ist das entscheidende Element, in das viel Arbeit und Zeit gesteckt werden muss. Aber das funktioniert viel besser und auch langfristiger – hier denkt man noch Wochen danach an den Film.
Leider sind die so selten, dass ich statt dem erwarteten Glücksgefühl nur noch Enttäuschung davon trage.

4 Kommentare zu „Meine Hassliebe zu Horrorfilmen“

  1. Ich kann das sehr gut verstehen. Ich bin ja eher der Seriengucker, aber zu The Walking Dead oder The Returned muss ich mich manchmal echt überwinden, wobei die Neugier am Ende immer siegt 😉

      1. Kennst du The Returned eigentlich? Sollte dir gefallen, da der Horror da die meiste Zeit unterschwellig stattfindet. Der amerikanische Reboot hat es mir etwas versaut, weil ich nicht mehr wusste was ich jetzt (weiter-)gucken soll, aber bis zum Anfang der 2. Staffel fand ich es richtig gut.

  2. Ein toller Beitrag, denn diese Hassliebe verbinde ich inzwischen auch mit den meisten Horrorfilmen ^^ Ich gebe zu, dass ich dieses Gefühl der Angst genieße, aber inzwischen sind die meisten Filme in dem Genre wirklich nur noch reine Jumpscare-Momente und tausendmal durchgekaute Klischees. Da freut es mich immer, wenn ich mal endlich einen originelleren Horrorfilm finde, bei dem man wirklich mit Grusel und Überraschungen rechnen kann.
    Übrigens, hast du „A Cure For Wellness“ gesehen? Das ist einer dieser ganz anderen Mystery-/Horrorfilme und hat mich beim ersten Schauen total fasziniert!

    Liebe Grüße,
    Julia

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