Gelesen, Gesehen, Gehört im Januar – Von Hass, Armut, Autismus und Geschichtsstunden

 

Neues Jahr, altes Spiel! Dieser Monat war bestimmt von Serien und trotzdem wurden sieben Bücher beendet. Ganz offensichtlich habe ich diesen Monat sonst nicht viel gemacht?! 😀


Angefangen hat der Januar mit „Gegen den Hass“ von Carolin Emcke. Ein dünnes Buch, welches sich mit dem mittlerweile zum Alltag gewordenen Hass in unserer Gesellschaft gegen „die Anderen“ beschäftigt. Sie schildert viele konkrete Beispiele und Einzelfälle, an denen sich Rassismus als Staatstradition offenbart oder als Schutzhandlung die Schwächeren trifft. Besonders die Beispiele nochmals vor Augen geführt zubekommen regt einen wirklich zum Nachdenken an. Allerdings fand ich ihre Art, an die Moral jedes einzelnen zu appellieren, teilweise zu offensiv – sowas sollte alleine durch bloßes Lesen und Denken passieren, nicht, weil sie einen dazu auffordert. Auch blieb mir das Thema der Angst zu wenig behandelt aber das kann auch daran liegen, dass das Buch für solch ein Thema wirklich viel zu kurz ist.
 
 
Als nächstes folgte „Wir müssen leider draußen bleiben“ von Kathrin Hartmann, die mich mit ihrem Buch „Aus kontrolliertem Raubbau“ ja schon völlig überzeugen konnte. In diesem Buch widmet sie sich der Armut in unserer Gesellschaft sowie der Armut, die durch uns und unser Konsumverhalten produziert wird. Der Titel spiegelt ihren Stil so gut wieder – zynisch, ironisch und klug. Auch in diesem Buch konnte sie mich wieder von ihrer Fähigkeit überzeugen, komplexe Vernetzungen pointiert zusammenzufassen und herunterzubrechen. Ja sicher, es sind immer sehr vereinfachte Bilder, aber man versteht definitiv, wieso genau unser Brotkaufverhalten in anderen Ländern Schaden anrichtet. Besonders interessant fand ich allerdings die Kapitel über die Armut IN unserer Gesellschaft. Immer mehr Menschen bei uns sind auf finanzielle Unterstützung angewiesen und müssen jeden Monat aufs Neue zusehen, wie sie über die Runden kommen. Sie setzt sich kritisch mit den sozialen Einrichtungen auseinander auf die solche Menschen dann angewiesen sind, allen voran mit der Tafel – Das war wirklich ein sehr interessantes Kapitel, das mich teilweise echt schockiert hat. Symptom- statt Ursachenbekämpfung ist die Devise, sie macht sehr deutlich, wie Reichtum durch Armut entsteht und wie die Armen „zufrieden“ gestellt werden, ohne wirklich was am Problem zu ändern. Absolute Leseempfehlung.
 

Passend zu einem so erfreulichen Thema habe ich auch noch „Mängelexemplar“ von Sarah Kuttner gelesen, ein Buch über Depression, das dir wahrscheinlich schon bekannt ist. Es handelt von Karo, einer jungen Frau, die ich ganz unverfroren jetzt mal als durchschnittlich beschreiben würde. So wie man sich eine typische junge Frau halt vorstellt. Nach außen hin zumindest. Denn Karo kämpft immer mehr mit einer fortschreitenden Depression und spätestens nachdem heftige Panikattacken einsetzen, bemerkt auch ihr Umfeld, dass mit ihr etwas ganz und gar nicht stimmt. Ihr (gar nicht so) langer Weg gegen die Depression wird dargestellt und ich muss sagen, dass es mir schon einiges vermitteln konnte, wie diese Krankheit so verläuft. Was der Roman wohl am deutlichsten darstellt ist die Vielschichtigkeit und dass es eben nicht DEN einen Krankheitsverlauf gibt. Der extrem humorvolle Schreibstil und die Ich-Perspektive haben es zu einem unterhaltsamen und gleichzeitig lehrreichen Leseerlebnis gemacht.
 

„Vom Anfang bis heute“ von Loel Zwecker ist eine kleine Geschichte der Welt – so wie es uns der Untertitel verrät. Vom Urknall bis zum heutigen Tage wird thematisiert, was unser heutiges Leben beeinflusst hat und das Ganze äußerst humorvoll. Bzw wird der Fokus nicht nur auf die typischen Geschichtsbuchereignisse gelegt, sondern teilweise auf völlig banale und „unwichtige“ Fakten, wie zum Beispiel die Darmentleerung im Palast des Sonnenkönigs. Das gestaltet das Buch durchaus unterhaltsam, jedoch kommen dadurch zwangsläufig auf gerade mal 413 Seiten die wirklich wichtigen Ereignisse ein wenig kurz davon und werden nur oberflächlich behandelt. Auch wenn beim Klappentext steht „nicht nur für junge Leser“ finde ich, dass sich das Buch trotzdem vor allem für jüngere eignet, die die absolutistische Herrschaftsperiode dann mit witzigen Stuhlgangsanekdoten abspeichern können. Zu dem wird stellenweise deutlich, dass der Autor ein Kunsthistoriker ist, da öfter mal das Augenmerk auf die Kunst der Zeit fällt (was ich durchaus interessant fand). Definitive in unterhaltsames Buch um die Weltgeschichte im Kopf wieder aufzufrischen, es ersetzt aber kein wirklich ausführliches Geschichtsbuch.
 
 
Außerdem hat mich ein Re-Read von „Tintenherz“ durch traurige Tage hinaus begleitet. Da werde ich die anderen Teile definitiv auch noch lesen. Im März wahrscheinlich, da im Februar ja der Black History Month ansteht.
 
 
Zum Ende des Monats hin folgten zwei Fitnessbücher, zu denen ich jetzt gar nicht so viel schreiben will, da noch ein ausführlicher Artikel folgt. 
 

 

 

Das war ein serienreicher Jahresbeginn! Das merkt man alleine daran, dass ich beide „Shadowhunters“-Staffeln in der ersten Woche rewatcht habe. Das ist echt mein guilty pleasure, denn wenn wir ehrlich sind, ist inbesondere die erste Staffel richtig schlecht gemacht 😀 Die Schauspieler wirken richtig unerfahren und auch die special effects tun weh beim Hinschauen. Das ist bei einer Urban Fantasy Welt jetzt nicht unbedingt das Beste, was passieren kann. Aber man muss der Serie zu Gute heißen, dass es wirklich von Folge zu Folge besser wird (in der zweiten Staffel sind auch die Effekte und vor allem die Schwerter besser! :D) und die Story einfach super ist. Es weicht teilweise stark von den Büchern ab, was ich aber gar nicht schlimm finde, da man so als Bücherfan nicht schon zu 100% weiß, was passieren wird.
 
 
Danach war ich richtig im Serienfieber und habe direkt mit „The End of the fxxxing world“ weitergemacht. Eine Serie, die stimmungsmäßg einen typischen Dramaverlauf bei mir hatte. Ich hab gebraucht bis ich reinkam, zur Mitte hin mochte ich es dann wirklich gerne und der Schluss hat mich dann schon wieder aufgeregt und enttäuscht. Es war leider ein extrem billiger Cliffhanger und aus Protest würde ich die zweite Staffel am liebsten nicht schauen. Aber ich weiß dass ich es trotzdem tun werde 😀
 
 
Ebenfalls einen etwas anderen Protagonisten hat die Netflixserie „Atypical“, die von einem Jungen mit Autismus handelt (ja ich hab mir die People before diagnosis Regel gemerkt :D) und eigentlich eine typische Highschoolserie wäre, wenn er nicht eben im Spektrum wäre und die Welt völlig anders sehen würde als wir es tun. Ich muss sagen, dass mir die Serie wirklich extrem gut gefallen hat und die Mischung aus ernsten Themen und witzigen Ereignissen perfekt war. Wenigstens die eine momentan verfügbare Staffel sollte sich jeder anschauen.
 

Diesen Monat hatte ich es wohl mit „Eine-Staffel-Serien“ wie es auch bei „Erased“der Fall war. Eine Netflix Serie, die auf einem Manga basiert und von einem Jungen handelt, der mit seiner Fähigkeit durch die Zeit zu reisen versucht, viele Menschen vor dem Tod zu retten. Das alles stellt sich als gar nicht so einfach heraus, da seine Zeitsprünge eher willkürlich passieren und er sie nicht steuern kann. Außerdem ist es schwierig herauszufinden, wer nun wirklich der Bösewicht ist und wer nicht. Zumindest für den Prota ist das schwierig, denn ganz ehrlich, spätestens nach ein paar Folgen war es wirklich eindeutig und leider ein richtig typischer Fall (besonders im Manga/Anime Bereich).

Die letzte Serie war dann „Prison Break“ beziehungsweise die erste Staffel sowie ein paar Folgen der zweiten Staffel davon. Muss ich dazu eigentlich viel sagen? Die Serie kennt eh jeder außer mir, weil ich mal wieder erst jahre später auf den Hypetrain aufgesprungen bin 😀 

 

Im Kino war ich diesen Monat nur einmal und wir wurden in der Sneak Preview mit „Downsizing“ überrascht. Es war wirklich unterhaltsam zu sehen, wie sich Matt Damon und andere in kleine Menschen verwandeln lassen, um die Ressourcen der Welt zu schonen. Leider konnte sich der Film nicht entscheiden, ob er eine Komödie oder ein ernster Film werden wollte und die Mischung aus beidem ist leider nicht gut gelungen. So werden wirklich wichtige Ereignisse wie der nahe Untergang der Welt (ja, wortwörtlich gemeint) nur kurz thematisiert und hinter extreeeeeem flachen Witzen versteckt. Das Einzige, was ich an dem Film wirklich richtig gut fand, ist dass die weibliche Hauptfigur mal keine typische Hollywoodschönheit ist und mit deutlichen Ecken und Kanten glänzt. Andererseits wird ihr Charakter und ihr Akzent mehr als einmal genutzt um absolut flache Witze auf die Leinwand zu bringen. Leider ist der Film keine Empfehlung von mir

 


Anderes gilt für die erste Hälfte vom Film „Sherlock Holmes“ mit Robert Downey Jr. – Ja richtig gelesen, ich hab ihn noch nicht zu Ende geschaut 😀 Aber bis dahin war er wirklich gut (auch wenn es nicht an die Serie Sherlock heranreicht)

Und wie immer hab ich zwischendurch verschiedenste Dokus gesehen, wieder viel über Ernährung aber auch über Armut, Narkolepsie, Extremsport und und und. Eine bunte Mischung.

 

 

Puuuh, peinlich, aber ich habe es nicht geschafft auch nur ein einziges Hörbuch zu beenden. Also skippen wir das bitte ganz schnell und kommen zu meinem meist gehörten Album des Monats – Nach dem Abschiedskonzert Ende Dezember stand Irie Révoltés definitiv ganz oben. Es war das beste Konzert 2017 und ich war wirklich auf einigen! Eigentlich finde ich die Musik total sommerlich, aber sie hat dadurch auch einige trübe Tage aufgeheitert. 
 
 

3 Kommentare zu „Gelesen, Gesehen, Gehört im Januar – Von Hass, Armut, Autismus und Geschichtsstunden“

  1. Liebe Celine,
    da war ja richtig was los bei dir – so viele tolle Bücher und coole Serien.
    "Wir müssen leider draußen bleiben" ist aufgrund deiner Begeisterung direkt auf die Wunschliste gewandert.
    Atypical möchte ich auch unbedingt anschauen, ich finde alles was solche Diagnosen betrifft, aber auch jugendliche Gruppendynamik suuuper spannend (was sicherlich mit meinem Beruf als Erzieherin in einer Psychiatrie zusammenhängt). 🙂

    Liebe Grüße,
    Nicci

  2. Liebe Celine, wieder eine tolle Zusammenfassung. Ich mag die Vielfalt auf Deinem Blog so gerne. Das Buch " wir müssen leider draussen bleiben" klingt sehr interessant. Auf die Besprechung der Fitnessbücher bin ich schon gespannt. …und Deine Kunst liebe ich sowieso😊.
    Liebe Grüsse
    Isabel

  3. Hallöchen! Wow, da war ja eine ganze Menge los bei dir – Und so vielfältig! 🙂 Ich dachte, ich lasse mal ein paar Worte dazu hier. Mit End of the F***ing World ging es mir ganz genauso wie dir und ich war sehr enttäuscht vom Ende. Da bin ich auch noch stark am zweifeln, ob ich mir die zweite Staffel ansehen sollte.. Schade auch, dass Downsizing so einen negativen Eindruck bei dir gemacht hat. Ich hatte überlegt, ihn auch anzusehen, weil ich die Idee eigentlich ganz interessant fand. Aber was du da schreibst, klingt ja echt nicht allzu gut. Und noch zu Erased: Hast du den Manga gelesen beziehungsweise den Anime geschaut? Ich habe nur letzteres getan, habe aber die Netflix-Serie noch nicht ausprobiert. Liebe Grüße, Isa! 🙂

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