[Rezension] Kleine Hände – Grosser Profit – Benjamin Pütter


Jeder von uns hat mehrere Gegenstände in der Wohnung, die von kleinen, jungen Händen hergestellt wurden. Bei manchen Sachen weiß man es eigentlich, bei anderen hat man noch nie etwas davon gehört oder geahnt. 

„Kinderarbeit ist international verboten. Trotzdem schuften Millionen Kinder unter den unwürdigsten Bedingungen für unsere Produkte, z.B. für Schmuck, Teppiche und Natursteine. Der Kinderarbeitsexperte Benjamin Pütter ist schon über 80-mal durch Indien gereist, das Land mit den meisten Kinderarbeitern. Er berichtet von Mädchen und Jungen, die teilweise bereits mit fünf Jahren ganztags arbeiten müssen, prangert die Machenschaften skrupelloser Firmenchefs an und deckt auf, warum auch wir unwissentlich Produkte aus Kinderarbeit kaufen.
Berührend und aufrüttelnd!“ 
– Klappentext 

Wieder eines dieser Bücher, die man eigentlich gar nicht lesen will. Denn es ist viel einfacher, den Versprechungen zu glauben, dass Kinderarbeit heutzutage kein Problem mehr wäre (schließlich ist es international verboten!) oder sich sogar einzureden, dass es den Kindern und Familien ohne diese Arbeit noch viel schlechter ergehen würde.

Ein Punkt, der erst spät im Buch angesprochen wird, meiner Meinung nach aber wichtig ist, ist die Definition von Kinderarbeit. Darüber wird oft gestritten und gerade von älteren Menschen kommen auch hierzulande Kommentare wie „Ich musste früher auch auf dem Feld mithelfen und mir hat das nicht geschadet“. Es ist einfach unverschämt, sowas mit der Arbeit in Indien, Pakistan und Afghanistan gleichzusetzen! Die Kinder dort werden wie Sklaven behandelt und müssen ihr Recht auf Bildung abtreten, nur um den ganzen Tag arbeiten zu können. Genau hier formuliert Püttner Kinderarbeit aus, die so schnell wie möglich beendet werden muss.

Er selbst ist über achtzig Mal nach Indien gereist, um sich beruflich als auch privat gegen Kinderarbeit einzusetzen. In Befreiungsaktionen hat er mehr als einmal sein Leben aufs Spiel gesetzt und doch hält er diesen Schritt als den wichtigsten. Nachdem er viele Kapitel lang Einzelbeispiele, die er selbst vorgefunden und mit Fotos dokumentiert hat, erzählt, kommen weiter hinten im Buch nämlich acht Punkte, die er am wichtigsten im Kampf gegen Kinderarbeit empfindet. Man bekommt ein gutes Bild, wie das theoretisch funktionieren könnte. Selbst Geldbeträge, die pro befreitem Kind anfallen, werden aufgezeigt.

Allerdings wird in den Kapiteln vorher deutlich, wieso das alles gar nicht so einfach ist. Die Beispiele von Kindern und einzelnen Befreiungsaktionen zeigen deutlich, dass dieses System so stark in der Gesellschaft integriert ist und das Korruption und Resignation eine zu große Rolle spielen, um schnell große Erfolge zu erzielen. Zumindest solange sich weiterhin so viele Menschen vor dem Thema verschließen.

Im letzten Kapitel gibt Püttner nämlich Tipps, was jeder einzelne von uns tun kann. Die Frage hat sich mir beim Lesen mehrfach aufgetan, da selbst die Regierung und andere Kontrollinstitute gnadenlos vor Ort scheitern. Hierzu werden mitunter Siegel konkret benannt, denen man tatsächlich trauen kann. Denn ganz ehrlich, mittlerweile blickt man genau da wirklich nicht mehr durch. Ist das nun wirklich fair produziert? Hier sehe ich im Buch leider einen Minuspunkt, denn meiner Meinung nach ist das zu oberflächlich gehalten. Das Buch legt den Fokus auf die Aufklärung, was Kinderarbeit heute konkret zu bedeuten hat, aber was einzelne Personen dagegen tun können wird nur angeschnitten. Hier ist dann definitiv Eigeninitiative in Richtung Recherche gefordert.

Positiv zu benennen ist noch der Schreibstil, denn es lässt sich wirklich schnell und einfach lesen – trotz der schwierigen Thematik! Und genau das ist wichtig. Wenn man ein so unangenehmes Thema hat, will man nicht ewig an ein und derselben Lektüre dazu sitzen. Hier bekommt man einen schnellen Überblick, der definitiv aufrüttelnd ist. Danach ist, wie gesagt, Eigeninitiative gefordert!


Ich betrachte als solides Überblickswerk. Es ist schnell gelesen und gibt in vielen verschiedenen Kategorien gute Denkanstöße, allerdings legt es den Fokus auf die Aufklärung, was derzeit bei Kinderarbeit passiert. Es schockiert! Die abgedruckten Bilder in der Mitte sind teilweise nichts für Zartbesaitete.

Es ist ein Buch, dem ich definitiv viel mehr Aufmerksamkeit wünsche, als es bisher bekommt! 

Kleine Hände – Grosser Profit | Benjamin Pütter | Heyne | Broschiert | 13.06.17 | 12,99€ 
Danke für das Rezensionsexemplar! Das Buch findest du hier.

2 Kommentare zu „[Rezension] Kleine Hände – Grosser Profit – Benjamin Pütter“

  1. Hi Celine,

    das Buch habe ich bereits mehrmals im Laden liegen sehen – das nächste Mal werde ich es mitnehmen! Ich habe mich ehrlich gesagt noch nie näher damit beschäftigt, was ich ändern müsste/könnte, um Kinderarbeit nicht mehr/weniger zu unterstützen. Hier kann man ja dann auch wieder über den Weltschmerz reden – wo zur Hölle anfangen?

    Vielen Dank für deine Rezension, die mir die Entscheidung hier stark erleichtert hat!

    Liebe Grüße
    Celina

  2. Hey!

    Das freut mich, denke mit dem Buch bist du an der richtigen Stelle. Obwohl es ja wie gesagt wenig Tipps gibt, was man machen kann und mehr Aufklärung betreibt.
    Da musst du dann leider selbst noch recherchieren. Zumindest bei Kleidung finde ich secondhand und fairtrade die beste Lösung, aber in dem Buch wird deutlich, dass Kinderarbeit in so viel mehr als nur Kleidung steckt.

    Gerne gerne!
    Liebste Grüße
    Die Namensvetterin

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